Teil eines Werkes 
4. Bd. (1868)
Entstehung
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„Ach, Mutter“, ſchluchzte Roſa,„Du haſt uns nicht verziehen! Ich höre aus Dir dieſelbe Stimme reden, die mich einſt verfluchte!“

„Ich habe Dich in mancher ſchmerzlichen Stunde, ſeitdem tauſendmal geſegnet“, ſagte die Mutter, ihre harte Hand auf Roſa's Haupt legend,„ich thue es jetzt wieder. Daß Du meine ſtolzeſten Hoffnungen zerſtörteſt, kann ich Dir verzeihen. Du biſt aber auf dem Wege, ein ganzes Daſein zu zerſtören, über das ich keine Ge⸗ walt habe, und darüber mußt Du mit Deinem eigenen Herzen Abrechnung halten.“

„Ich höre Schritte unten!“ ſagte Roſa, angſtvoll den Finger emporhebend.„Arthur kommt!“

Frau Stubenrauch nahm Hut und Mantel um und war zum Gehen bereit. Während Roſa ſie bis an die Thür begleitete, entfernten ſich die Schritte wieder.

„Die Liebe macht ſelten glücklich“, ſagte die Mutter, die es trotzdem an der Zeit hielt, den Heimweg anzu⸗ treten,„die reinſte, heiligſte Liebe iſt die, welche entſagen kann. Beſſer iſt es, Du ſiehſt Dein Theuerſtes gar nicht als auf der Bahre. Dein künftiges Leben liegt freudlos vor Dir, ſo oder ſo. Rette wenigſtens die Ruhe Deines Gewiſſens. Machſt Du Anſpruch darauf, tugendhaft zu ſein, ſo ſei es ganz. Und der höchſte Triumph der Tugend iſt der, mit unſerm eigenen Glücke