Teil eines Werkes 
4. Bd. (1868)
Entstehung
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Mutter nennen darf“, flüſterte Roſa und umſchlang ſie innig mit beiden Armen,„aber beſtehe nicht darauf, mir auch Wohlthäterin ſein zu wollen. Deine Wohlthaten würden mich ſchmerzen, würden mir den Frieden meines Herzens rauben. Du ſelbſt haſt mich nicht dazu erzogen, die Welt mit Deinem Blicke zu betrachten. Das Mitgefühl, das Dir für das Wohl Fremder fehlt, haſt Du in meine Bruſt gepflanzt, und dort haſt Du keinen Mißgriff wie⸗ der gut zu machen!“

„Ich bin nicht gekommen, um einen alten Streit zu erneuern, der ſchon einmal traurig zwiſchen uns endete; auch iſt es nicht meine Abſicht, Dir etwas anzubieten oder gar aufzudringen. Ich bin nur als Deine Mutter, als Deine Freundin hier, und will mit Dir über Dein und Deines Gatten Wohl ſprechen, als könnte ich Dir keine andere Hülfe als meine Erfahrungen und meinen Rath anbieten. Ich fragte Dich vorhin, ob Du Dich glücklich fühlteſt, und Du haſt mir mit einer Unwahrheit geantwortet, denn zu Deinem Glücke fehlt etwas— das Glück Deines Gatten!“

Die Mutter hatte dies mit ſchonender Milde geſprochen.

„Er iſt gut“, antwortete Roſa mit gebrochener Stimme, er iſt mein Engel, mein Gott!“

„Aber unglücklich!“ fügte die Mutter mit erhobenem

Finger hinzu.