Teil eines Werkes 
4. Bd. (1868)
Entstehung
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ſtehend. Sie ſtand dicht vor dem Bildniß ſeiner Mutter und war ſo tief in das Anſchauen der Geſichtszüge des Portraits verloren, daß ſie weder Karl's Eintreten, noch die Wirkung von deſſen Licht bemerkt hatte. Sie hielt in jeder Hand einen Leuchter und hatte, um das Bild von der vortheilhafteſten Stellung aus betrachten zu können, den Oberkörper ſo weit zurückgebogen, daß ſie bei dem leiſeſten Erſchrecken unfehlbar rücklings vom Stuhle ſtürzen mußte. Der Unwille, den Kärl im erſten Augenblicke empfunden hatte, wich daher ſehr bald einer ernſten Verlegenheit. Er durfte weder vorwärts, noch zurück. Jeden Augenblick konnte ihn die Majorin be⸗ merken. Entſchloſſen, im entſcheidenden Moment das Licht fallen zu laſſen, und die Entfernung, die ihn von ihr trennte, mit einem ſchnellen Sprunge zu durchmeſſen, um ſie aufzufangen, ſtand er da, jedes Zucken ihrer Mienen mit lauerndem Auge beobachtend. So verſtrichen mehrere Minuten, ohne daß Adeline ſich bewegte. Immer ſtarrer ſchien ſich der Blick ihres Auges auf das Portrait zu heften. Plötzlich entwand ſich ihrer Bruſt ein tiefer Athemzug.„Ja, Du biſt's“, redete ſie halblaut das Ge⸗ mälde an,„Du mußt es ſein, die mir das Leben—“ Sie unterbrach plötzlich ihre Worte durch einen Schrei, denn ſie hatte jetzt das fremde Licht und einen dunklen Schatten bemerkt. Im nächſten Augenblicke erloſchen