——
157
gange, im Geiſte theilte er mit ihnen die kleinen Freuden der Geſelligkeit, die ſie aufgeſucht haben mochten. Es kamen auch Abende, wo Karl vergebens nach dem Fenſter blickte. Das Zimmer ſchien leer und verlaſſen, keine Hand tauchte auf, kein Laut drang herüber, höchſtens flatterte, von den Abendlüften erfaßt, ein loſer Fenſter⸗ vorhang geſpenſterhaft heraus, und Niemand erſchien, ihn wieder zu befeſtigen. Oft auch, wenn die Fleder⸗ mäuſe ſchwirrten, wenn die Leuchtkäfer wie Sterne durch die Dunkelheit zogen und außer ihm kein Gaſt mehr im Garten war, ſah er die Fenſter im traulichen Lampen⸗ licht ſchimmern und die glücklichen Schatten hin und her wandeln. Dann erklangen Accorde, dann ſang eine Stimme, und was ſie auch ſang, kein Lied war ſo traurig, keins ſo heiter, daß es ihm nicht hätte das Herz brechen wollen. So zürnen die Engel in einer andern Welt, ſo ſüß vernichtend tönen aus ihrem Munde dort die Todesurtheile!
Eines Abends lauſchte er wieder dem Geſange. Eben war der letzte Ton verklungen, da vernahm er dicht in ſeiner Nähe einen klagenden Seufzer. Er hatte ſich allein im Garten geglaubt, denn es war ſchon ſehr ſpät. Der Gedanke lag nahe, daß außer ihm noch ein Lauſcher hier verborgen ſei, den der Geſang gleich ihm ſchmerzlich be⸗ rühre. Karl blieb regungslos ſitzen. Endlich bewegte


