Teil eines Werkes 
2. Bd. (1868)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

161

ſogar auch dann, wenn ihm kein Gruß aufgetragen wurde, weil er Roſa gar nicht geſprochen hatte.

Eines Abends ſtand Karl vor dem Bilde ſeiner Mutter und dachte an Roſa. Und er mußte immer an die Sängerin denken, ſo oft er das Bild betrachtete; denn in dem Antlitze der Mutter lag ein geheimnißvoller Zug, der ihn an Roſa erinnerte, als wäre Niemand auf der Welt als ſie allein im Stande, Jemand ſo zu beglücken, wie die Verſtorbene beglücken konnte. Der Mutter Bild war ſein Vertrauter geworden, ihr allein hat er mit an⸗ dächtigen Blicken geſagt, was Roſa ihm war, und im langen unverwandten Hinſchauen iſt es ihm oft vorge⸗ kommen, als belebte ein leiſes Winken ihrer Augen, ein glückliches Lächeln um ihren Mund ſeine Hoffnungen.

Er hört nicht die klirrenden Schritte, welche die Treppe heraufkommen, und das Klopfen an ſeiner Thür beant⸗ wortet er mit keinem„Herein!“

Erſt als er hinter ſich eine männliche Stimme„Herr Doctor!“ rufen hört, wenndet er ſich um. Er erblickt eine hohe Geſtalt, die ſalutirend die Hand an den Tſchako legt, von welchem die den Huſaren kennzeichnende rothe Zunge von wollenem Stoff herabhängt. Die anſchließende Halbhoſe, die Jacke und der über die Schulter geworfene Dolman ſind von hellblauer Farbe und reich mit Silber⸗ ſtickereien geziert. Auch die blitzenden Sporen fehlten nicht

11

Höcker, Ein ſchöner Dämon. II.