Teil eines Werkes 
2. Bd. (1868)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Wenn Jemand immer in uns lebt, unſerm Denken und Fühlen gleichſam allgegenwärtig iſt, wie mir Doctor Arle, ſo geht darin allmälig der äußere Organismus auf, in welchem uns der Gegenſtand unſerer Verehrung zuerſt als eine Perſönlichkeit entgegentrat. Wir verlieren die Eigenthümlichkeiten ſeines Geſichts, ſeiner Geſtalt, ſeiner Sprache aus den Augen; wir durchbrechen ſeine materielle Erſcheinung und erblicken zuletzt in ihm nur die Idee, wie in dem Dichter, den wir leſen, dem Mu⸗ ſiker, deſſen Töne wir hören.

Die hundertfältigen Beziehungen, in denen mein Freund als Arzt zu andern Menſchen ſtehen muß, ſind für mich gar nicht vorhanden; ich frage nie, aus welcher finſtern Tiefe menſchlichen Elends er zu mir emporſteigt, nicht, wohin er geht, wenn er mir die Hand zum Ab⸗ ſchied reicht. Ich wußte bisher nicht einmal, wo er wohnt, und habe ihn geſtern erſt danach gefragt. Als er mir zur Antwort gab, daß er in der Saulapotheke wohne, entfuhr mir der Ausruf:„Beim Onkel Saul?“ und ich mußte hinter meinem Fächer lachen, denn ich dachte an Arthur. Ich erzählte ihm, daß ich und der Neffe des alten Herrn Hofacker Jugendgeſpielen geweſen ſeien, und erfuhr bei dieſer Gelegenheit endlich wieder etwas über den treuloſen Knaben— er wird jetzt wohl