Teil eines Werkes 
2. Bd. (1868)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

4

den Text zu citiren, ſie kennt die Namen aller berühmten Sängerinnen und übt eine unbarmherzige Kritik, bei der Roſa, die in der Mutter Augen alle Sängerinnen über⸗ ſtrahlt, oft ganz unheimlich zu Muthe wird.

Oft denkt Roſa an ihre Schweſter Liddy zurück; ſie wäre jetzt ebenfalls zur Jungfrau herangereift, und Roſa, die längſt die Bosheiten der Schweſter vergeſſen hat, malt ſich oft im Geiſte aus, wie namenlos glücklich ſie ſein würde, wenn Liddy ihr jetzt zur Seite ſtünde. Mit ſolchen unvermittelten Sprüngen malt uns im Winter die Phantaſie das Glück des plötzlichen Frühlings, malt ſie dem Armen das Glück plötzlichen Reichthums, daran aber denken wir nicht, daß wir die langſam keimende Erfüllung mit der Jugendfriſche unſerer Wünſche erkaufen müſſen.

Frau Stubenrauch wendet den größten Theil ihrer Zeit noch immer ihren Geſchäften zu, ohne daß Roſa einen Begriff davon hätte, was eigentlich Geſchäfte ſeien und wie man damit Geld verdienen könne. Halbe Tage lang iſt Frau Stubenrauch in ihrem Geſchäftszimmer, welches ſich auf der andern Seite des Vorſaals befindet. Dieſes Zimmer iſt ein Bazar in verjüngtem Maßſtabe. An den Wänden hängen eine Menge Bilder der hete⸗ rogenſten Gattung und ohne alle Symmetrie im Arrange⸗ ment. Man ſieht beim erſten Anblick, daß die Bilder