Teil eines Werkes 
1. Bd. (1868)
Entstehung
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Den Vorfall mit dem Medicinalrath berühren beide mit keiner Silbe; Adelinens Hierſein iſt bereits eine ſtumme, aber glänzende Genugthuung. Apdeline verliert kein Wort über Karl's Wegbleiben; in ſeinen Augen, in ſeinem Empfange las ſie, daß er ſo kühn war, ſie zu erwarten, und ſo kühn iſt nur die Liebe!

Beide ſitzen ſchweigend neben einander. Endlich erhebt ſich Adeline und muſtert mit einem den Mediciner ſüß anheimelnden Intereſſe deſſen Zimmer. Es liegt ein eigener Zauber darin, wenn das Auge der Geliebten ſich an die Gegenſtände hängt, die ſie ſonſt nie kümmern und an denen ſie nur Antheil nimmt, weil ſie uns gehören.

Die Majorin war gegen ihre prächtig in Goldſchnitt gebundenen Bücher unempfindlich, aber Adeline blätterte in den einfachen Bänden, die dem Geliebten gehörten. Die Majorin warf kaum einen Blick auf den vergoldeten Kronleuchter ihres Geſellſchaftszimmers, aber Adeline

ſchraubte jetzt mit eigener Hand den Docht der alten un⸗

ſcheinbaren Studirlampe in die Höhe, daß ſie heller brenne. Die Majorin war gleichgültig gegen die Kunſt⸗ werke der Malerei, welche ihre Gemächer ſchmückten, aber Adeline verlor ſich in dem Anſchauen der beiden Portraits, des alten Herrn, unter deſſen weißen buſchigen Brauen die ſchwarzen Augen blitzten, und der ſchönen Dame, die auf Jeden ſo mild herabblickte.