16 Es müßte ſpaßhaft ſeyn, Aneldoten zu erfinden, vund ihnen den Anſtrich höchſter Authentizität, durch Eitaten u. ſ. w., zu geben, die, durch Zu⸗ ſammenſtellung von Perſonen, die Jahrhunderte aus einander lebten, oder ganz heterogener Vor⸗
fälle gleich ſich als erlogen ausweiſen;— denn
mehrere würden übertölpelt werden, und wenig⸗ ſtens einige Augenblicke an die Wahrheit glauben. — Gäbe man ihnen einen Stachel, deſto beſſer, z. B. eine,(ohne Stachel,) wäre folgende
Als Friederich, der große König, nach dem Ab⸗
ſchluß des Hubertsburger Friedens, nach Potsdam
zurückgekehrt war, bemerkte er, aus den Fenſtern des Schloßes, einen zerlumpten Jungen, der auf ein Stück Schiefer ämſig ſchrieb, und dann das geſchriebene, mit lauter Stimme und lebhafter Ge⸗
ſtikulation, deklamirte.— Er ſchickte ſeinen Leib⸗
pagen hinunter, der dem Könige die Schiefertafel hinaufbrachte,— weinend und ſchreiend lief ihm der Bube bis in's Zimmer des Koͤnigs nach. Der König laß zu ſeinem Erſtaunen wohl geordnete poetiſche Verſe, und es fand ſich, daß der Bube ein Küchenjunge des ſpaniſchen Geſandten war. Von Stunde an, ſchickte der König den Jungen nach Berlin in's Joachimthalſche Gymnaſium, wo er auf königliche Koſten Unterricht erhielt, dann auf der Univerſität Halle ſtudirte, und endlich ſchon


