2
nen koͤnne, und welches von jenen Schauſpielen am mehrſten dazu geeignet ſey. Gerade die Andacht zum Kreuz, welche beſtimmt war, zuerſt auf die Bühne gebracht zu werden, erregte den größten Zweifel und gerade dieſes ſprach in der Folge das große Publikum, von dem doch bei dem Urtheil über Theatereffekt nur die Rede iſt, am mehrſten an.— Ein Publikum, das Schauſpiele, wie die des Calderon, in ihrer vollen Schönheit und Stärke auffaßt, das in das Ganze und Einzelne tief eingeht, dürfte wohl nicht ſo leicht gefunden werden, indeſ⸗ ſen möchte doch eins vor dem andern fähiger und
williger ſeyn, die Idee, die Tendenz des Stücks zu
begreifen, und ſich von der Gewalt der Sprache, von dem Fluge der kühnen, phantaſtiſchen Bilder fortreißen zu laſſen; und eben dieſe größere Fähig⸗ keit, vorzüglich aber den beſſern Willen, glaubte man bei dem Bamberger Publikum vorausſetzen zu können, weil es nicht verbildet, von dem theatra⸗ liſchen Genuß noch nicht überſättigt, und,— ka⸗ tholiſch fromm iſt. Eben dieſes letztere, der in Bamberg herrſchende Katholizism, war die Urſache, daß die Gallerie, eben ſo gut wie Logen und Par⸗ terre, gleich bei der Expoſition, vorzüglich nach der Herz und Gemüth gewaltſam ergreifenden Erzäh⸗ lung des Euſebio von den Wundern des Kreuzes, die der Andacht zum Kreuz zum Grunde liegende ächtkatholiſche Idee verſtand, und mit ſteigendem


