6 Die mehrſten und vorzüglich die Anhänger des jetzt herrſchenden Bühnengeſchmacks, konnten zwar den gewaltigen Geiſt, der in den Calderonſchen Schau⸗ ſpielen mit grauenerregendem Coöntraſt ſich ihrer Kleinlichkeit entgegenſtellte, nicht weg demonſtriren, betrachteten ſie aber als eine Rarität aus der Zeit, wo, nach ihren Begriffen, die Schauſpielkunſt noch in der Wiege lag, und, um ſo weniger iſt es zu bewundern, daß kein Bühnendirektor die Bereiche⸗ rung des Repertoirs durch Schlegels Meiſterwerk auch nur ahnete.— Die Weimarer Bühne, die ſchon ſeit geraumer Zeit es ſich recht ernſtlich an⸗ gelegen ſeyn läßt, unſer Theater aus der tiefen Erniedrigung, in die es verſunken, zu erheben, und ſchon oft die Möglichkeit und Wirkung irgend ei⸗ ner ſcheinbar ganz außer der Sphäre unſer's Thea⸗ ters liegenden Produktion, den in Sinn und Geiſt beengten Directoren größerer Bühnen praktiſch be⸗ wieſen hat, gab bekanntlich zuerſt den ſtandhaften. Prinzen mit Beifall, und, nicht lange darauf, wagte es die noch kleinere Bühne in Bamberg mit der Andacht zum Kreuz, und dann auch mit dem ſtand⸗ haften Prinzen und der Brücke von Mantible her⸗ vorzutreten. Unter kenntnißreichen gemüthvollen Freunden des Theaters in Bamberg, wurde, als
die Aufführung der Calderonſchen Schauſpiele im Werke war, lange die Frage debattirt: ob man wohl auf ihre Einwirkung auf das Publikum rech⸗


