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Trotz der ſpäten Stunde, verſchafften wir uns unter dem Vorwande drin⸗ gender Geſchäfte mit Mr. Gilmore, Einlaß in das Haus und während Colter und ich an der Thür blieben, um uns einen Ausweg frei zu halten,
begab ſich Montgomery, der die Räumlichkeiten kannte, direkt nach dem
Zimmer, in welchem ſich Eliſa befand. Da er leiſe auftrat, hatte er ſich der Thür genähert und ſie aufgeſtoßen, ohne daß Gilmore ihn hatte kom⸗ men hören. Dieſer ſaß mit dem Ruͤcken gegen die Thür und war ganz in die Beobachtung des Eindrucks vertieft, den ſeine Lügen und ſein ju⸗ riſtiſches und theologiſches Geſchwätz auf die arme Eliſa machten.
Sobald ſie Montgomery erblickte, ſtieß ſie einen leiſen Schrei aus, und als ſich Gilmore umwendete, um zu ſehen, was es gebe, fühlte er ſich bei der Gurgel gepackt. Montgomery ſchleuderte ihn kopfüber in den Winkel, wo die Matratze lag, warf den Stuhl und Tiſch auf ihn, nahm Eliſa's Hand und war im nächſten Augenblicke mit ihr die Treppe hinunter und zur Thür hinaus. Wir folgten ihm auf dem Fuße. Die Sache war in aller Stille, ohne den mindeſten Lärm und ohne das geringſte Aufſehen zu erregen, abgemacht worden.
In einer halben Stunde war die ganze glücklich befreite Familie— Eliſa, Montgomery, Caſſy und ich— wieder vereinigt; aber wir befanden uns immer noch in New⸗Orleans, und weder in dieſer Stadt noch irgendwo in den Vereinigten Staaten von Amerika, dieſem ſich ſeiner Freiheit rüh⸗ menden, aber in den finſtren Abgrund des Despotismus verſunkenen Landes, war ein über die Wellen emporragender Oelzweig, war ein Ruhepunkt für unſere Füße zu finden.
Neunundfunfzigſtes Kapitel.
Schon am folgenden Morgen beſtiegen wir mit dem Beiſtande Colter's, der ſich bis zum letzten Augenblicke als unſer dienſtfertiger Freund erwies, ein ſtromaufwärts gehendes Dampfboot, welches uns ohne Unfall wohlbe⸗ halten nach Pittsburg brachte. Von dort reiſten wir über das Gebirge nach Baltimore, eilten nach New⸗York und ſchifften uns unverzüglich auf einem Liverpooler Packetboote ein, denn wir hatten Tag und Nacht keine Ruhe, bis endlich das tiefe blaue Waſſer des Oceans unter uns wogte, und ſelbſt dann glaubten wir uns noch nicht ganz ſicher, ſo lange die ge⸗ ſtreifte amerikaniſche Flagge über unſern Köpfen flatterte. 3
Erſt als wir die britiſche Küſte betraten, fühlten wir uns völlig außer Gefahr. Gott ſei Dank, daß es ein Land giebt, welches Flüchtlingen vor der europäiſchen wie vor der amerikaniſchen Tyrannei eine Zuflucht gewährt.
Vor unſrer Abreiſe von New⸗Orleans hatte Montgomery unſrem Freunde Colter die Abſchrift des Curtis'ſchen Teſtaments übergeben und Eliſa ſtellte ihm eine Vollmacht aus, um eine Klage auf Herausgabe ihres väterlichen Erbtheils zu erheben, indem ſie ihm verfprach, das, was er er⸗ langen würde, mit ihm zu theilen.— 4
Colter ſtieß auf alle Hinderniſſe, welche ihm die geübte Schlauheit Gilmore's in den Weg legen konnte, aber er betrieb die Sache mit ener⸗ giſchem Eifer, denn ſie ſchien ihn eben ſo gut zu intereſſiren und außzu⸗ regen, wie die Hazardſpiele, an die er gewöhnt war. Er ſtudirte ſogar noch die Rechte, um den Prozeß mit größerem Nachdruck zu führen, und er machte ſich bald als ein ſehr kluges und zuverläſſiges Mitglied der Advokatur be⸗


