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Der weiße Sklave, oder Denkwürdigkeiten eines Flüchtlings : eine Geschichte aus dem Sklavenleben in Virginien u.s.w. ; (Seitenstück zu Onkel Tom's Hütte) / hrsg. von R. Hildreth. Nach der 17. amerikan. Aufl. aus dem Engl.
Entstehung
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das zu ſanktioniren, was ſich einmal nicht ändern laſſe. Aus dieſem näm⸗ lichen Nothwendigkeitsgrunde erlauben ſie auch den Mitgliedern ihrer Kirche Sklaven zu halten die frommen Bruͤder wuͤrden es ja doch thun eine Politik, die in beiden Fällen mehr die große Anzahl als die Lau⸗ terkeit der Religionsgeſellſchaft zu berückſichtigen ſcheint, und mehr von der Klugheit der Schlange, als von der Unſchuld der Taube haben dürfte. Ich will mir jedoch über dieſen wichtigen Punkt der Kirchenpolitik kein entſchei⸗ dendes Urtheil anmaßen.

Der methodiſtiſche Geiſtliche, den Caſſy in dieſer Angelegenheit zu Rathe zog, redete ihr dringend zu, die Anträge des Mr. Curtis anzuneh⸗ men, was ſie, wie er ihr verſicherte, unter den obwaltenden Umſtänden mit gutem Gewiſſen thun könne, beſonders wenn er die neue Verbindung ein⸗ ſegnete, wodurch ſie in den Augen des Himmels eine vollkommene Ehe werde, wenn auch die menſchlichen Geſetze ſie nicht als ſolche betrachteten.

Trotz der dringenden Bitten des Mr. Curtis und der Vorſtellungen des Predigers trat ihr aber noch immer ſo oft ſie unſern Sohn an die Bruſt druͤckte, das Bild ihres verlorenen Gatten vor die Seele, und eine innere Stimme flüſterte ihr zu: Er lebt! er liebt Dich! gieb ihn nicht auf.

So verging uͤber ein Jahr, und Mr. Curtis erwartete geduldig die Wirkungen der Zeit und ſeiner Ausdauer, als er plötzlich vom gelben Fie⸗ ber ergriffen wurde, das ihn an den Nand des Grabes brachte und von dem er ſich nur nach einem langwierigen Krankenlager wieder erholte. Hier⸗ bei hatte Caſſy Gelegenheit, ihre dankbare Erkenntlichkeit für die Güte und die zartfühlende Ruͤckſicht ihres Herrn zu zeigen. Sie war Tag und Nacht ſeine beſtändige unermüdliche Wärterin, und die Aerzte erklärten, daß eine Schweſter, eine Mutter, oder eine Gattin ihn nicht mit liebevollerer Auf⸗ ehferun habe pflegen können, und daß er hauptſächlich ihr ſeine Rettung verdanke.

Mr. Curtis hatte eine religiöſe Erziehung genoſſen, und der Gedanke, daß er dem Tode ſo nahe geweſen, wie die Muße und Einſamkeit ſeiner langwierigen, ſchmerzlichen Geneſung, weckten wieder fromme Ideen in ihm, welche der Strudel der Geſchäfte, die jugendlichen Zerſtreuungen und die ſinnliche, weltliche Atmoſphaͤre, in welcher er ſo lange gelebt, faſt gänzlich verlöſcht hatten. Es war unverkennbar, daß Mr. Curtis, ſei es aus phyfiſchen oder moraliſchen Urſachen, oder aus beiden zugleich, ſein Krankenlager in vielerlei Beziehung als ein ganz andrer Menſch verließ; er ſchien in moraliſcher Beziehung um zwanzig Jahre älter geworden zu ſein. Er war noch eben ſo liebenswürdig und geiſtreich, aber ernſter und weniger mit ſich ſelbſt beſchäftigt, wenn er auch den Vorwurf der Selbſtſucht eigentlich nie verdient hatte.

Sobald er ſich hinlänglich erholt hatte, um das Bett verlaſſen zu können, hatte er nichts Eiligeres zu thun, als einen doppelten Freiſchein für Caſſy und ihr Kind auszuſtellen, der in Kraft treten ſollte, ſobald es das Geſetz erlaubte. Bis dahin ſollte ſie ſeiner Haushaltung vorſtehen und dafür einen gewiſſen monatlichen Gehalt bekommen. Zu gleicher Zeit fertigte er eine Freilaſſungsurkunde für ſeine kleine Tochter Eliſa aus, die noch unter Caſſy's Obhut blieb und zu einer hübſchen Geſpielin für unſern kleinen Montgomery heranwuchs.

Als die Kinder das erforderliche Alter erreicht hatten, ſchickte ſie Mr. Curtis zu ihrer weiteren Ausbildung nach Neu⸗England zuerſt Mont⸗ gomery, und ſpäter Eliſa, welche der Fürſorge ſeines Bruders, Agrippa