Druckschrift 
Der weiße Sklave, oder Denkwürdigkeiten eines Flüchtlings : eine Geschichte aus dem Sklavenleben in Virginien u.s.w. ; (Seitenstück zu Onkel Tom's Hütte) / hrsg. von R. Hildreth. Nach der 17. amerikan. Aufl. aus dem Engl.
Entstehung
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Schweigen zu bringen. Ihr Gatte war nichts weniger als ein angenehmer Geſellſchafter. Wenn es auch in den Tagen ſeiner Brautwerbung vielleicht anders geweſen war, ſo hatte ſeine Frau doch längſt ſchon aufgehört, ihn ſtärker zu feſſeln als ſeine Cigarre, ſein Pfeffermünzlikör und ſein Kautabal. und um ihren ewigen, ſeiner Meinung nach völlig grundloſen Klagen aus dem Wege zu gehen, hielt er ſich ſo viel als möglich fern von ihr. Ihre Stieftochter, ein vierzehnjähriges Mädchen, ſchien ſich mit Tante Dina gegen ſie verſchworen zu haben; eben ſo auch die Wäſcherin, die Nätherin und alle übrigen Hausdiener, und die nervöſe Aufregung, in der ſie ſie erhielten, machte ſich zuweilen nicht auf die angenehmſte Weiſe Luft. Eines Tages außerte ſie ſogar gegen Caſſy, daß dieſe häßlichen ſchwarzen Creaturen nicht nur ihre Geſundheit und Schönheit, welche ohnehin ſchon von den Wir⸗ kungen des Fiebers bedeutend gelitten hatten, zerſtören, ſondern ſie auch um ihr Seelenheil bringen würden. Sie erklärte, das Leben auf einer Pflanzung ſei wahrlich nicht geeignet, um die Menſchen für den Himmel vorzubereiten.

Cafſy war von inniger Dankbarkeit gegen ihre unglückliche Herrin er⸗ füllt. Sie bemitleidete ſowohl die Schwächen ihres durch Krankheit und getäuſchte Hoffnungen verbitterten Charakters, wie auch die Einſamkeit und ſklaviſche Abhängigkeit, in welche ſte ſich verkauft hatte. Ihr ganzer Lebens⸗ zweck ſchien darin zu beſtehen, nichts zu thun und nichts zu ſein, obgleich ſie den Namen einer Hausfrau führte, und eine ſolche Stellung mußte ihrem lebhaften und an Thätigkeit gewöhnten Geiſt mit der Zeit unerträg⸗ lich werden. Caſſy bemühte ſich nach Kräften, ſie zu beruhigen, zu tröſten und zu unterhalten ein Amt, wozu ſie ihr ſanfter und heiterer Charakter trefflich geeignet machte und ſo wurde Caſſy ihrer leidenden Herrin vollkommen unentbehrlich. Dadurch gerieth ſie allerdings in ein mißliches Ver⸗ hältniß zu der übrigen Dienerſchaft, welche ſie gar zu gern in ihre Feind⸗ ſeligkeit und Antipathie gegen Mrs. Thomas eingeſchloſſen hätte; aber ihr verträglicher Charakter und ihre freundliche Gemüthsart gewannen ihr bald aller Herzen. Durch einige kleine Gefälligkeiten und klug angebrachte Schmeicheleien erwarb ſie ſich ſelbſt die Freundſchaft der gefürchteten Tante Dina. 1

So wenig Geiſt und Gemüth Mrs. Thomas auch beſaß, blieb doch dieſe Aufmerkſamkeit und Dienſtfertigkeit Caſſy's keineswegs ohne Einfluß auf ihre Stimmung, wiewohl ſelbſt Jene vor gelegentlichen Ausbrüchen des Unmuths nicht ſicher war. Als ſie fand, daß Caſſy nicht leſen gelernt hatte eine Fertigkeit, welche keine ihrer früheren Herrinnen für noth⸗ wendig gehalten, erbot ſie ſich, es ihr und ihrem kleinen Knaben zu lehren, und beharrte darin trotz der ſcherzhaften Drohungen von Seiten ihres Gatten, ſie deshalb vor Gericht anzuklagen. Sie ſchien wirklich ſo großen Troſt an der Beſchäftigung zu finden, die ſich ihr endlich darge⸗ boten hatte, daß ſie Caſſy nicht nur verſchiedene Handarbeiten lehrte, in denen ſie Meiſterin war, ſondern ihr auch Muſikunterricht auf einem Piano⸗ forte gab, welches Mr. Thomas zur Zeit ſeiner Verheirathung im Norden gekauft hatte. Es dauerte auch nicht lange, ſo brachte es Caſſy in Folge ihres ausgezeichneten muſikaliſchen Gehörs zu weit größerer Fertigkeit darin als ihre Lehrerin, was allerdings nicht viel ſagen wollte.

So vergingen mehrere Jahre, bis ein Gallenſieber Mrs. Thomas hin⸗ wegraffte, wodurch Caſſy einem neuen Wechſel ausgeſetzt wurde. Sie war auf Mount Flat nicht mehr nöthig, und Mr. Thomas ſchickte ſie in der Der weiße Sklave. 16