185⁵
Reiche Grafen Carrion,
Vor den König Don Alfonſo Bittend traten, daß er beide, (Brüder waren ſie) vermähle Mit den edlen Töchtern Cids.
Don Alfonſo, kein Bedenken Findend an der reichen Heirath, Lud den Cid, ihn in Requenna Zu beſuchen, ſprach mit ihm Viel von ſeinen Wunderthaten, Von den Schlachten, von den Siegen; Rechenſchaft gab ihm der Cid.
„Aber Ihr ſeyd alt geworden,
Guter Cid,“ ſprach Don Alfonſo.
„Großer König, ſprach der Feldherr, So viel Sorg' und Kriegesarbeit Macht ſchon alt; kaum hatt' ich Ruhe, Kaum Erholung einen Tag.
Alles indeß überſtanden,
Iſt Valencia Euch gewonnen,
Voll Vergnügen, voll von Gütern, König, Euer Eigenthum.“
„Guter Cid, genießt das Eure, Sprach Alfonſo; mir genüget Eurer Thaten Ruhm, die Ehre Eines Feldherrn und Vaſallen, Wie kein Chriſtenreich ihn hat; Gerne wünſcht' ich Euren Töchtern Standesmäßige Gemahle;
Und da haben ſich zwei Grafen Reiche Grafen Carrion, Brüder, ſie von mir erbeten; Uebel waͤre nicht die Heirath, Und ich ſteh' für die Gelahr.“


