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Johann Gottfried von Herder's Blumenlese aus morgenländischen Dichtern / Johann Gottfried von Herder. Herausgegeben von Johann von Müller
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aufzuſteigen begehrte, da nahm er ſeinen Sohn zu ſich und ſprach:die Tage meines Lebens ſind zu Ende, drei⸗ hundert fünf und ſechzig kurze Tage. Vielleicht daß dir mein Sohn, der Gütige, den Reſt von meinen Jahren zu deinen Jahren zählt.

Er ſprachs und ſegnete ihn, da waren um ihn und hoben ihn ſanft empor die Schwäne des Pargdieſes. Auf ihren Flügeln trugen ſie ihn hinauf, und Henoch war nicht mehr.

Und als ſein Sohn Methuſalah ihn vergebens in den Wolken des heiligen Berges ſuchte, ſtand vor ihm ein Mann in glänzender Geſtalt.

Ich war der Engel deines Vaters, ſprach er,der ihn erzog, und ſchon als Kind zum Paradieſe führte. Dort iſt er jetzt; er hat viele Jahre gelebt: denn er iſt bald vollkommen worden. Darum gefiel er Gott und war ihm lieb, und ward hinweggenommen aus dem Leben.

Er ſprachs und rührete die Erde mit ſeinem Stabe an; da ſtand ein blühender Mandelbaum, der frühe Bote des Frühlings. Noch ehe ſeine Blaͤtter ſproſſen. mit nackten Zweigen treibet er Blüthen hervor, und ver⸗ kündigt die fröhliche Zeit. Der Engel war verſchwunden, und Methuſalah, der ſeines Vaters Jahre genoß, und das höt Alter der Erdgebornen erreichte, jährlich ſah er in. dieem frühaufblühenden Mandelbaum die Jugend ſeines Vaters. 3

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Der Rabe Noahs.

Aengſtlich blickte Noah umher aus ſeinem ſchwim⸗ menden Kaſten und wartete, bis die Waſſer der Sünd⸗ ftuth fielen. Kaum ſahen der Berge Spitzen hervor, als er alles Gefieder um ſich rief:Wer, ſprach er, unter euch will Bote ſeyn, ob unſre Rettung nah iſt?

Da draͤngte ſich vor allen der Rabe hervor mit gro⸗ ßem Geſchrei; er witterte nach ſeiner Lieblingsſpeiſe.