Zweite Sammlung.
Der Schwan des Paradieſes.
Von Jugend an, ſaget die heilige Sage, wandelte Henoch mit Gott, und war ein ſtiller Betrachter. Als Kind ſchon hatte ſein Engel ihn ins Paradies geführt. Er las in Büchern, ihm vom Himmel geſandt, die nicht auf irrdiſche Blätter geſchrieben waren; er las im Buch der Sterne, daher man ihn den Betrachter, Idris, nannte. 4
Einſt ſaß er einſam unter der Ceder; da wehete ſtille Begeiſterung ihn an: er ſah das nahe Schickſal ſeiner Welt, die bald in Fluthen übergehen ſollte; er ſah den Tag des ſtrafenden Gerichts.
„O daß ich,“ ſeufzte ſeine Seele,„dieß der Nachwelt kund thun könnte!“
Da ließ ein glänzender Schwan vom Himmel ſich herab; dreimal umflog er des Betrachters Haupt, und kangſam kehrte er in die Wolken.
Henoch kannte ihn: es war ein Schwan des Para⸗ dieſes, den er einſt in ſeiner Kindheit geſehen und ge⸗
liebet hatte. Eine Feder war ſeiner Schwinge entfallen; er nahm die Feder,
und ſchrieb damit ſeine Bücher der Zukunft.
Und als er kange, jedoch vergeblich ſeine Brüder ge⸗ warnet hatte, und das Licht in ihm an ſeinen Ort hin⸗


