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Johann Gottfried von Herder's Blumenlese aus morgenländischen Dichtern / Johann Gottfried von Herder. Herausgegeben von Johann von Müller
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Und ats ſie Meer und Tiefen und Luft und Erde mit Leben erfüllet hatten, da ſtanden ſie rathſchlagend ſtill und ſprachen zu einander:Laſſet uns Menſchen ſchaffen, unſer Bild; ein Gleichniß deß, der Himmel und Erde durch Licht und Liebe ſchuf. Da fuhr Leben in den Staub: da ſtrahlte Licht des Menſchen göttti⸗ ches Antlitz an, und Liebe waͤhlete ſein Herz zu ihrer ſtillen Wohnung.

Der ewige Vater ſah's und nannte die Schöpfung gut: denn alles füllte, alles durchdrang ſein immerwir⸗ kend Licht und ſeine holde Tochter, die belebende Lie⸗ be ſelbſt.

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Was murrſt du, müßiger Weiſer, und ſtaunſt die Welt wie ein dunkles Chaos an? Das Chaos iſt geord⸗ net; ordne du dich ſelbſt. Im wirkenden Leben nur iſt Menſchenfreude; in Licht und Liehe nur des Schö⸗ pfers Seligkeit..

Sonne und Mond. Tochter der Schönheit, hüte vor Neide dich. Der Neid hat Engel vom Himmer geſtürzt: er hat die holde Geſtalt der Nacht, den ſchönen Mond, verdunkelt.

8. 4 Vom Rath des Ewigen ging die ſchaffende Stimme

aus:Zwei Lichter ſollen am Firmamente glänzen, als

Könige der Erde, Entſcheider der rollenden Zeit.

Er ſprach's; es ward. Auf ging die Sonne, das erſte Licht. Wie ein Bräutigam am Morgen aus ſei⸗ ner Kammer tritt, wie der Held ſich freuet auf ſeine Siegesbahn: ſo ſtand ſie da, gebleidet in Gottes Glanz. Ein Kranz von allen Farben umftoß ihr Haupt: die Erde jauchzete: ihr dufteten vie Kräuter: die Blumen ſchmückten ſich