Erſte Sammlung.
Die Blaͤtter der Vorzeit.
Im Hain der älteſten Sage irrte mein Geiſt um⸗ her, und kam an die Pforte des Paradieſes.„Was willſt du, Sterblicher, hier?“ ſprach jene glänzende Wundergeſtalt, die den heiligen Garten bewachte; aber gemildert war ihr Glanz, und ſtatt des feurigen Schwer⸗ tes hatte ſie einen Palmzweig in ihrer menſchlichen Hand.
„Die älteſte Wohnung meines Geſchlechts zu ſehen,“ antwortete ich;„den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntniß und jene glücklichen Auen, auf welchen der Vater der Menſchen von allem Lebendigen einſt und von den Elohim ſelbſt kindliche Weisheit lernte.“
„Dieß Paradies iſt verblühet,“ ſagte die Wunderge⸗ ſtalt.„In einen unſterblichen Garten iſt der Baum des Lebens verpflanzt, und der Baum der Erkenntniß blür⸗ het allen Völkern der Erde. Erkenne meine Geſtalt, 7 Der Cherub ſprach's, verührend mich mit ſeinem Zweige, und erhob ſich in die Luft.
Welche Geſtalt ſah jetzt mein Auge! welche Stim⸗ men der Schöpfung vernahm mein neu⸗geöffnetes Ohr! Alles Lebendige und die Könige ſeiner Geſchlechter, Adler und Stier, Menſch und Löwe, ſie trugen des Ewig⸗ lebenden Thron: Ein Glanz, Ein Lobgeſang in raſtloſer


