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Johann Gottfried von Herder's Blumenlese aus morgenländischen Dichtern / Johann Gottfried von Herder. Herausgegeben von Johann von Müller
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Zweite Vorrede.

(In der dritten Sammlung zerſtreuter Bluͤtter 1787.)

Nachſtehende Dichtungen maßen ſich keine Stelle unter Aeſops Fabeln an; vielmehr verbergen ſie ſiw unter dem beſcheidnern Namen der Dichtun⸗

gen aus Sagen. Denn aus Sagen oder aus der Geſchichte alter morgenlaͤndiſcher Voͤlker ſind ſie geſchoͤpft; ſie mußten alſo auch in ihrer neuen Geſtalt den Sitten und der Vorſtellungsart dieſer Nationen treu bleiben, ſelbſt wo dieſe von der unſern ſich weit entfernen. Zum kindlichen Ton der Sage gehoͤrte es auch, daß ſie kein poetiſches Splbenmaß haͤtten, und auf den Schmuck feinerer Voͤlker uͤberhaupt Verzicht thaͤten. Sie ſtehen be⸗ ſcheiden als Fremdlinge hier, und erwarten die freundliche Willfaͤhrigkeit, die man Auslaͤndern er⸗ weiſet, daß man naͤmlich in ihre Denkart eingehe, und ſte nur nach ihren eignen Geſetzen richte.

Ich bin zu ihnen gekommen, auf Wegen wo ich

ſo etwas nicht ſuchte; meiſtentheils naͤmlich im Studium morgenlaͤndiſcher Sprachen, Sagen, und Commentare. Hier war mir oft ein Bild, ein Gleichniß, eine Dichtung, das was jenem muͤden Propheten der Wachholderbaum in der Wuͤſte war; an ſich eine arme Geniſte, die ihm indeß Schatten gab und ihn ſtaͤrkte. Oder ohne Bild zu reden, ich traf in den Sagen des Morgenlandes, ſo un⸗