Erſte Vorrede zu den juͤdiſchen Dichtungen und Fabeln.
(Im Teutſchen Merkur 1781.)
Die ebraͤiſche Nation hat ihre Mythologie und Dichtung, wie alle Voͤlker, die durch Spra⸗
ſche und Tradition bis ins hohe Alterthum reichen;
nur es iſt dieſelbe nicht ſo bekannt, geſchaͤtzt und ausgebildet, als die Mythologie andrer, ſelbſt eini⸗
ger unſtreitig rauherer und wilderer Voͤlker. Die Urſache hievon liegt meiſtens in den Schickſalen der
Nation, in der Lage ihrer aͤußern und innern Um⸗
ſtaͤnde, die auch die Anwendung ihres Ge⸗
ſchmacks und des Scharfſinnes, den ihr die
Natur gewiß nicht verſagt hat, beſtimmt oder fehl⸗
geleitet haben. Ich gehe alles vorbei und fuͤhre nur das Eine an. Das alte Teſtament iſt bei ihnen das Buch der Buͤcher; alle Lehre, alle Weisheit muß demſelben irgendwo angefuͤgt, aus ihm, wo moͤglich, hergeleitet werden. Nothwendig mußte
dieß den ſcharfſinnigen Koͤpfen des Volks einen


