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Theagenes und Charikleia : ein Roman / aus dem Griech. des Heliodoros, übers. von Karl Wilhelm Göttling
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wußte auch, daß vor allen eine gelegne Zeit zu er⸗ warten war; denn das Amt eines Heroldes bedarf vor allen Vorſicht. Darum verzeihe, wenn ich dich eifrig im Geſpräch mit den Königinnen aus der ſüßeſten Beſchäftigung zu reißen anſtand.“„So komme er denn jetzt!“ ſprach der König und ſogleich eilte einer mit dem Gebot hinweg uud kam bald wieder heran, nachdem er's ausgerichtet. Meroëbos erſchien, ein ſtattlicher Jüngling: ſein Alter hatte eben die Jugendbluthe erreicht, ſiebenzehn Jahre war er völlig; aber an Größe überragte er faſt alle anweſende, die prächtige Schaar ſeines Gefol⸗ ges ſchritt voran, und das umſtehende äthiopiſche Heer öffnete ihm mit Bewunderung und Ehrfurcht ohne Anſtand den Weg.

Hydaspes hielt ſich nicht auf ſeinem Sitze: 23 er kam ihm entgegen, umarmte ihn mit väterlicher Zuneigung, hieß ihn neben ſich ſetzen, klopfte ihm die Schulter und ſprach:„zu guter Stunde kömmſt du, mein Sohn, Siegesfeſt und Hochzeit zu feiern. Denn die heimiſchen Urahnen unſers Geſchlechts, Götter und Helden haben uns eine Tochter und dich, wie es ſcheint, eine Braut finden laſſen. Doch ſolchen geheimen Dingen wirſt du nachher ſchon dein Ohr leihen; willſt du jetzt etwa für das Volk deines Königthums etwas bereden, ſo verkünde es.“ Meroebos konnte bei dem Worte Braut vor Luſt und Scham ſelbſt unter der Schwärze ſeiner Farbe die Röthe nicht verbergen: wie über einer Kohle glühte ſie hin: ein Weilchen hielt er ein und ſprach dann:„Vater, von alle den andern Botſchaftern,