ſo frei und natürlich wie ſonſt gab ſie ſich nicht, ihre Munterkeit hatte einen Stich. Auch Flor war nicht der Alte, er, der Welt⸗ und Lebemann, beging wieder⸗ holt den gröbſten geſellſchaftlichen Verſtoß, nachdenklich zu ſcheinen. Nur Guido's Laune blieb unverändert. Sein Pferd hatte er bei einem Förſter, dem Vertrauten früherer Abenteuer, gelaſſen und war zu Fuß auf einem andern Wege zurückgekehrt. Doch hatten ihn Ritt und Marſch nicht ermüdet, ſondern erfriſcht. Keine Mah⸗ nung an das Morgen, kein Bedenken, kein Gewiſſen erwachte in ihm; er fühlte nur die Wonne zu leben. Jeder Blick, den ſie unter den breiten Wimpern auf ihn heftete, zündete in ſeiner Bruſt, und wenn ſie halb lüſtern, halb verlegen lächelte, dachte er an den Kuß auf dieſe Lippen.
„Und Sie hatten hier keine Furcht?“ fragte er, nachdem ſie von Paris und ihren Trouviller Tagen geplaudert hatten.
„Furcht? Nein“, antwortete ſie,„aber eine eigen⸗ thümliche Beklommenheit, die mir nachgerade unerträg⸗ lich wird. Bei allem Luxus erinnert dies Haus an eine Gruft. Am ſchwülen Tag überrieſelt es mich zu⸗
weilen, als lege ſich mir eine kalte Hand auf die Schulter.“


