Teil eines Werkes 
2. Bd. (1875)
Entstehung
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auch Fronleichnam? dachte Guido. Er ritt im Schritt die lange Häuſerzeile hinab.

Es war, als ob die weißen Wände über ihren Schatten ſpähend ſich emporreckten; einige Hunde ſchlugen an, verſtummten aber, ſowie ſie den Cavalier witterten, und verkrochen ſich unterthänigſt. Niemand war auf der Straße, und das Schweigen in den Häuſern.

Jetzt ſah der Reiter über die Kirchhofshecke. Die Grabkreuze ſtanden alle kerzengerade in Reih und Glied, und dieſe ſaubergehaltenen rechtwinkeligen Kies⸗ wege waren keinGeſpenſterſteig.

Nun war die Muſik deutlich vernehmbar. Im Paſtorhauſe wurde Klavier geſpielt.

Der Raſen des Lindenplatzes erſtickte den Huf⸗ ſchlag, und Guido konnte, ohne entdeckt zu werden, in das helle Zimmer ſehen.

Ein Bild beſcheidenen, aber wahren Glückes bot ſich ihm. Auf dem Sopha ſaßen, Hand in Hand, die Eltern; mit dem andern Arm hielt der Prediger den einen Knaben umſchlungen, während der jüngſte ſich an die Mutter ſchmiegte. Juſtine hatte den Platz am

Klavier.

Der Graf empfand bei dieſem Anblick weder Neid noch Rührung. Das Geſicht der Predigerstochter