1 171 Prieſter ſollte— nein, der Verdacht war Wahnſinn, eine Frucht ihres ehelichen Jammers, ein Beweis ihrer Nervenzerrüttung. Sie bat Benedict im Geiſt das Unrecht ab und belaſtete auch dafür den Gatten.
„Nun? Warum biſt Du ſo verſtört?“
„Ich?— Findeſt Du?— Ich fühle mich aller⸗ dings nicht wohl. Die entſetzliche Schwüle—“
„O, hier iſt es ganz erträglich.“
„Mich dünkt die Luft noch immer glühend. Ich wollte, es käme ein Gewitter.“
„Du?“ lächelte die andere ungläubig, die bei aller Freundſchaft ſich nicht enthielt, Coſima als Kind zu behandeln.
„Glaubſt Du, ich fürchtete mich? Der Himmel meint es immer gut, und wenn mich ein Blitz träfe—“
Jetzt lachte Frau von Bruck hellauf.„Coſima“, ſagte ſie,„Du biſt ohne Beiſpiel! Dich macht das Landleben zur Romantikerin, denn bei Hofe hatteſt Du gewiß nicht dieſe Einfälle.“
Flor, den jedes Lachen magnetiſch anzog, geſellte ſich zu den Damen, und Benedict ging an Gregor's Seite.
„Die Gräfin zeichnet Dich ja ganz beſonders aus“, ſagte dieſer bedeutſam. Darauf hatte Benedict eine ruhige Antwort.


