Teil eines Werkes 
1. Bd. (1875)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2

27

beinahe nur noch im Freien, im Schloßpark oder im Walde, der daran grenzte. Sie liebte die Natur, ohne jemals es auszuſprechen. Wahrſcheinlich wußte ſie ſelbſt nicht, welche Macht dieſelbe auf ſie ausübte. Ein heiterer Sonnentag und ein reizendes Lächeln ihrer Lippen waren ſo zu ſagen eins; ein Blick über leiſe wehende Aehrenfelder gab ihr Frieden nach man⸗ chem Kampf; der Wald linderte ihr viele Schmerzen.

War ſie doch ſelbſt wie eine Blume nur er⸗ warte man nicht, daß ich ſie jetzt in herkömmlicher Weiſe mit einer Roſe oder einem Veilchen vergleiche! Die Harmonie ihrer Erſcheinung und ihres Weſens machte ſie den Blumen ähnlich. Empfinden mußte Jeder, begreifen aber konnten nur Wenige das Wohl⸗ thätige ihrer Nähe; die Meiſten erklärten und beſchränk⸗ ten den göttlichen Eindruck mit dem banalen Namen: eine ſchöne Frau!

Eine ſchöne Frau, ſprachen auch die Augen einer jungen, leidlich hübſchen Blondine, welche in früher Morgenſtunde auf der Schloßterraſſe ſtand und der Gräfin entgegenſah.

Coſima kam auf dem Wege gegangen, der vom Park zu der Terraſſe führte; ſie war weiß gekleidet; den breitgeränderten, runden Strohhut trug ſie in der Hand. Ihr Gang war, obgleich ſie nachdenklich ſchien,