2
Pfarrer, blindlings ergeben. Stolz war er nur auf ſeine Geige und auf den einzigen Sohn. Man konnte ſagen, daß er mit erſterer ſeinen Schülern den Kate⸗ chismus und das ABC und Einmaleins beibrachte. Sein Sohn Ludwig aber war ein grundgeſcheidter Junge, dem Vater nicht allein im Muſikaliſchen, ſondern in Allem überlegen. Hatte auf Koſten des Herrn Grafen ſtudirt. Leider nur nicht„ausſtudirt“— und das war des alten Schulmeiſters Kummer.
Gottlieb Egidius rieb ſich mit der ausgearbeiteten, ſehnigen Hand das raſirte und doch immer von Bart⸗ ſtoppeln rauhe und graue Kinn und wiegte unmuthig den Kopf. Er begriff jenen Gottlieb Egidius nicht mehr, der, als ihm ſein Erſtgeborener in die Arme gelegt wurde, das Gelübde that:„Du ſollſt Beethoven zu Ehren Ludwig heißen!“ und dann hinging, um anſtatt eines reichen Bauers den einzigen Ludwig im Dorf, einen armen Schuſter, zu Gevatter zu bitten.
Was wurde daraus? Sein Ludwig kriegte, kaum daß er die erſten Hoſen anhatte, die Muſikwuth; der
Generalbaß ſtieg dem Knaben zu Kopf; er muſicirt und
componirt; ein Kanon iſt ihm lieber als ein Kanoni⸗ kus— darin iſt Gottes Straffinger.
Da klang ein Adagio aus der Hinterſtube, und der Alte konnte doch nicht unterlaſſen, beifällig hinzuhorchen.


