Teil eines Werkes 
6.-11. Bändchen (1852)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

374

nahe bevorſtehenden Hochzeit wurde ich verlegen, ich weiß ſelbſt nicht, weßhalb. War es ein Aufflackern der alten Liebe, ſo war es das letzte. Ich habe mich ſeit jenem Augenblicke ſelbſt geprüft. Ich liebe ihn nicht mehr. Ich habe etwas Beſſeres kennen gelernt. Ich lernte ſchätzen, welchen Werth die Feſtigkeit und Selbſtbeherr⸗ ſchung eines Mannes für das wehrloſe Weib hat. Ich kann nicht ohne Sie leben. Ihr geiſtreicher Umgang, Ihre hohe Tugend überwiegen für mich alle andern Vorzüge. Sie können mich verſtoßen, wenn Sie wollen, aber dieſes Dokument unterſchreibe ich nicht.“— Mit dieſen Worten zerriß ſie erbittert das Papier, das ihr Herr von S. übergeben, verließ mit Thränen das Zimmer und ging in ihr Cabinet, wohin der über alle Beſchrei⸗ bung glücklicher Gatte ihr folgte.

Am Oſtermorgen des folgenden Jahres ließ Herr von S. mit großer Feierlichkeit ſeinen und Karens Sohn taufen und die glückliche junge Mutter fühlte von jenem Augenblicke keine Leere in ihrer Heimath und ihrem Her⸗ zen mehr.