Teil eines Werkes 
1. Theil (1849)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

36

Man ließ ihm nicht Zeit zur Antwort, denn neben Sibyllen ward jetzt eine Stimme laut, die bis dahin geſchwiegen hatte, eine kleine ſüße Nach⸗ tigallenſtimme, die mit dem reinſten Silberton ſich vernehmen ließ. Sie kam aus dem Munde des faſt noch unerwachſenen Maͤgdleins zur Linken des Fräuleins. Ei, ſprach ſie keck, für wen ſonſt war das Kleinod als für ſeine Geliebte, Dame! Quält ihn doch nicht, Ihr ſeht, wie er erröthet. Sagt, mein Paladin, habe ich nicht Recht, das Kreuz war für die Dame Eures Herzens?

EGgon hatte Zeit gewonnen, ſich zu faſſen, und erwiderte, wenn gleich noch immer ein wenig be⸗ ſtürzt über dieſe kecke Art, an das innerſte und zarteſte Geheimniß zu rühren, weil er mit dem franzöſiſchen Thun und Weſen doch im Ganzen nicht vertraut genug war,— für eine Verwandte, eine Muhme, wenn Ihr es denn wiſſen müßt, ſchöne Dame.

Oh, ſolche Muhmen kennt man, lachte die Fremde, wobei ihr purpurner Mund Reihen von Perlenzähnen zeigte.

Ich finde Deine Neugier ſehr überflüſſig, meine Schweſter, ſagte hier der junge Deleſſers mit einem ſtrengen Blick auf die kleine Vorlaute; er bedachte im Eifer nicht, daß er hiermit auch der Braut eine