Teil eines Werkes 
3. Bd. (1866)
Entstehung
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Neugeborenen. Dem Vater wie dem Kindlein wurde gebührendes Lob geſpendet, und das Publikum eingeladen, einige Thaler als

Pathengeſchenk zu ſpendiren. Doch zur Ehre der deutſchen Litera⸗

tur ſei es geſagt, es waren und ſind dies nur einige Winkel⸗

blätter, die nur mit Modeartikeln zu thun haben.

Beſſere Blätter, beſſere Männer als jene, die um Geld lobten, ſcheuten ſich nicht, ſo oft Claurens Muſe in die Wochen kam, das Produkt nach allen Seiten zu unterſuchen und der Welt zu ſagen, was davon zu halten ſei. Sie ſteigerten ihre Stimme, ſie erhöhten ihren Tadel, je mehr die Luſt an jenen Produkten unter Euch überhand nahm, ſie bewieſen mit triftigen Gründen, wie ſchändlich eine ſolche Lektüre, wie entwürdigend ein ſolcher Geſchmack ſei, wie eninervend er ſchon zu wirken anfange. Manch' herrliches Wort wurde da über die Würde der Literatur, über wahren Adel der Poeſte und über Euch geſprochen, die Ihr nicht erröthet, ihm zu huldigen, die Ihr ſo verſtockt ſeid, das Häß⸗ liche ſchön, das Unſaubere rein, das Kleinliche erhaben, das Lächerliche rührend zu finden. Woran lag es aber, daß jene Worte wie in den Wind geſprochen ſcheinen, daß, ſo oft ſich auch Männer von wahrem Werthe dagegen erklärten, die Menge immer mehr Partei dafür nahm? Man müßte glauben, der Herr habe ihre Herzen verſtockt, wenn ſich nicht noch ein anderer Grund fände.

Jene Inſtitute für Literatur, die kein Volk der Erde ſo allge⸗ mein, ſo gründlich aufzuweiſen hat, wie wir, jene Journale, wo auch das Kleinſte zur Sprache kommt und nach Geſetzen be⸗ urtheilt wird, die ſich auf Vernunft und wahren Werth der Kunſt und Wiſſenſchaft gründen, ſie ſind leider für Wenige ge⸗ ſchrieben? Wer liest ſte? Der Gelehrte, der Bürger von wahrer Bildung, hin und wieder eine Frau, die ſich über das Gebiet der Leihbibliothek erhoben hat. Ob aber Clauren für die ſe ſchreibt? Ob ſeine Manier dieſen ſchäplich wird? Ob ſie ihn nur leſen? Und wenn ſie ihn leſen, wird ihnen die Stufe von Bildung, auf welcher ſie ſtehen, nicht von ſelbſt den Takt verleihen, um das