Teil eines Werkes 
3. Bd. (1866)
Entstehung
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Dichtungen à la carte, wenn ſie ungerügt jede Meſſe wiederkehren dürfen, wenn man den gebildeten Pöbel in ſeinem Wahne läßt, als wäre dies das Manna, ſo in der Wüſte vom Himmel fällt, die Würde unſerer Literatur vor uns ſelbſt und dem Auslande, vor Mit⸗ und Nachwelt ſchänden!

Doch ich komme, meine verehrten Zuhörer, noch auf einen andern Punkt, den man weniger Ingredienz oder Zuthat, ſondern Sauce piquante nennen könnte; das iſt die Sprache. Man wirft nicht mit Unrecht den Schwaben und Schweizern vor, daß ſie nicht ſprechen, wie ſie ſchreiben, aber wahrhaftig, es gereicht H. Clauren zu noch größerem Vorwurf, daß er ſo gemein ſchreibt, wie er gemein und unedel zu ſprechen und zu denken ſcheint. Man hat in neuerer Zeit manches verſchrobene und verſchränkte Deutſch leſen müſſen, waren es Wendungen aus dem fünfzehnten Jahr⸗

undert, waren es Sätze aus einer ſpaniſchen Novelle, es wollte ſich in unſerer reichen, herrlichen Sprache nicht recht ſchicken. Ohr⸗ zerreißend waren auch die Compoſitionen, die Voß nach Analogie

Homers vornahm; aber man kann Männer dieſer Art höchſtens

wegen ihres ſchlechten Geſchmacks bedauern, anklagen niemals; denn es lag dennoch ein ſchöner Zweck ihrem wunderlichen Hand⸗ haben der Sprache zu Grunde. Was ſoll man aber von der ge⸗ fliſſentlichen Gemeinheit ſagen, womit der Erfinder der Mimilis⸗ manier ſeine Produkte einkleidet? Köͤnig Salomo, wenn er noch lebte, würde dieſen Menſchen mit einem Freudenmädchen ver⸗ gleichen. Sie geht einher im Halbdunkel, angethan mit köſtlichen Kleidern, mit allerlei Flimmer und Federputz auf dem Haupte. Du redeſt ſie an mit Ehrfurcht, denn Du verehrſt in ihr eine wohlerzogene Frau aus gutem Hauſe, aber ſie antwortet Dir mit wieherndem Gelächter, ſie geſteht, ſie müſſe lachen, daßſie der Bock ſtößt; ſie ſpricht in Worten, wie man ſie nur in Schenken und auf blauen Montagstänzen hören konnte, ſie ent⸗

hüllt ſich, ohne zu erröthen, vor Deinen Augen, und ſpricht Zoten

A

und Zötchen dazu. Wehe Deinem Geſchmack, wehe Dir ſelbſt und

Deinem ſittlichen Werth, wenn Dir nicht klar wird, daß die, W. Hauff's Werke. III. 20