Teil eines Werkes 
3. Bd. (1866)
Entstehung
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Dieſe Gaſſenwirthe oder Volksmänner treiben aber eine ſchaͤnd⸗ liche und ſchädliche Wirthſchaft. Sie fühlen ſelbſt, daß ihr Ge⸗ bräu ſich nicht halten werde, daß es den Ruf von Wein auf die Dauer nicht behalten könne, wenn er nicht auch berauſche. Da⸗ her nehmen ſie Tollkirſchen und allerlei dergleichen, was den Leuten die Sinne ſchwindeln macht; oder, um die Sache anders auszu⸗ drücken, ſie bauen ihre Dichtungen auf eine gewiſſe Sinnlichkeit, die ſie, wie es unter einem gewiſſen Theil von Frauensperſonen Sitte iſt, künſtlich verhüllen, um durch den Schleier, den ſie darüber gezogen haben, das lüſterne Auge deſto mehr zu reizen. Sie kleiden ihr Gewerbe in einen angenehmen Styl, der die Einbildungs⸗ kraft leicht anregt, ohne den Kopf mit überflüſſigen Gedanken zu

beſchweren; ſie geben ſich das Anſehen von heiterem, ſorgloſem

Weſen, von einer gewiſſen gutmüthigen Natürlichkeit, die lebt und leben läßt; ſte ſind argloſe Leute, die ja nichts wollen, als ihrem Nebenmenſchen ſeineoft trüben Stunden erheitern und ihn auf eine natürliche, unſchuldige Weiſe ergötzen. Aber gerade

dies ſind die Wölfe in Schafskleidern, das iſt der Teufel in der

Kutte, und die Krallen kommen frühe genug ans Tageslicht.

Wem unter Euch, meine Andächtigen, ſollte bei dieſer Schil⸗ derung nicht vor Allem Jener beifallen, der alljährlich im Ge⸗ wande eines unſchuldigen Blumenmädchens auf die Meſſe zieht undVergißmeinnicht feilbietet. Ich weiß wohl, daß dort drüben auf der Emporkirche, daß da unten in den Kirchſtühlen manche Seele ſitzt, die ihm zugethan iſt, ich weiß wohl, daß er bei Euch der Morgen⸗ und Abendſegen geworden iſt, Ihr Nähermädchen, Ihr Putzjungfern, ſelbſt auch Ihr ſonſt ſo züchtigen Bürgers⸗ toͤchterlein, ich weiß, daß Ihr ihn heimlich im Herzen traget, Ihr, die Ihr auf etwas Höheres von Bildung und Geſchmack Anſpruch machen wollet, Ihr Fräulein mit und ohne Von, Ihr gnädigen Frauen und andere Mesdames. Ich weiß, daß er das A und das O Eurer Literatur geworden iſt, Ihr Schreiber und Ladendiener, daß Ihr ihn beſtändig bei Euch führt, und wenn der Prinzipal ein wenig bei Seite geht, ihn ſchnell aus der Taſche