Teil eines Werkes 
3. Bd. (1866)
Entstehung
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Ehrwürdige Verſammlung, andächtige Zuhörer!

Die Apoſtel, beſonders der heilige Paulus, als er zu Rom predigte, verſchmähten es nicht, auch häusliche, bürgerliche An⸗ gelegenheiten der Gemeinde zu Gegenſtänden ihrer Betrachtungen zu machen. Es läßt ſich zwar mit vieler Wahrſcheinlichkeit annehmen, daß ſie belletriſtiſche Gegenſtände nicht berührt haben, daß ſie literariſche Streitigkeiten nicht, wie man zu ſagen pflegt, auf die Kanzel brachten; denn ſie hatten Wichtigeres zu thun; nichts⸗ deſtoweniger aber geſchah dies einige Jahrhunderte ſpäter, und man trifft in den Kirchenvätern nicht undeutliche Spuren, daß ſte über allerhand literariſche Subtilitäten, ſogar über die Tendenz und den Styl ihrer Gegner auf dem kirchlichen Rednerſtuhle ge⸗ ſprochen haben.

Berühmte Kanzelredner neuerer Zeit haben oft und viel, zum Beiſpiel über das Theater gepredigt, oder über das Tanzen am Sonntag, oder das Singen unzüchtiger Lieder, andere wieder über das Spielen, namentlich das Kartenſpielen, und einen habe ich gehört, der in einer Veſperpredigt das Schachſpiel in Schutz nahm und nur bedauerte, daß es ein Heide erfunden.

Und wenn es die Pflicht des Redners iſt, meine Freunde, der Gemeinde darzuthun, welchen Irrthümern ſie ſich hingebe, welche böſen Gewohnheiten unter ihr herrſchen, wenn es die Natur der Sache erfordert, bei einer ſolchen Aufdeckung von Irrthümern und böoͤslichen Gewohnheiten bis ins Einzelne und Kleinſte zu gehen, weil oft gerade dort, recht ins Auge fallend, der Teufel nachgewieſen werden kann, der darin ſein Spiel treibt, ſo kann es Niemand befremden, wenn wir nach Anleitung der Textesworte mit einander eine Betrachtung anſtellen über:

W. Hauff's Werke. III. 19