Teil eines Werkes 
3. Bd. (1866)
Entstehung
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Die Wagen hatten nach und nach alle ihre köſtlichen Waaren entladen; die Damen hatten ſich aus den neidiſchen Hüllen der Pelzmäntel und Shawls herausgeſchält und ſaßen jetzt in langen Reihen, alle in unchriſtlichem Wichs, an den Wänden hinauf. Es war der erſte Ball in dieſer Saiſon. Der Landadel hatte ſich in die Stadt gezogen, Kranke und Geſunde waren aus den Bädern zurückgekehrt; es ließ ſich alſo erwarten, daß das Neueſte, was man überall an Haarputz und Kleidern bemerkt und in ſeinem aufmerkſamen Herzen bewahrt hatte, an dieſem Abend zur Schau geſtellt werden würde. Daher füllte die erſte halbe Stunde eine Muſterung der Coiffüren und Guirlanden, und das Bebbern und Wiſpern der raſtlos gehenden Mäulchen ſchnurrte betäubend durch den Saal. Endlich aber hatte man ſich ſatt geärgert und be⸗ wundert und fragte überall, warum der Hofrath Berner das Zeichen zum Anfang noch nicht geben wolle.

Das hatte aber ſeine ganz eigenen Gründe; man ſah ihm wohl die Unruhe an, aber Niemand wußte, warum er, ganz gegen ſeine Gewohnheit, unruhig hin und her laufe, bald hinaus auf die Treppe, bald herein ans Fenſter reune; ſonſt war er Punkt fünf Uhr mit ſeinem Arrangement fertig geweſen und hatte dann ruhig und beſonnen den Ball eröffnet, aber heute ſchien ein ſon⸗ derbarer Zappel das freundliche Männchen überfallen zu haben.

Nur er wußte, warum Alles warten mußte; keinem Men⸗ ſchen, ſo viel man ihn auch mit Schmeichelwörtchen und ſchönen Redensarten bombardirte, vertraute er ein Sterbenswoͤrtchen da⸗ von; er lächelte nur ſtill und geheimnißvoll vor ſich hin und ließ nur hie und da einwerdet ſchon ſehenman kann nicht wiſſen, was kommt fallen.

Wir wiſſen es übrigens und können reinen Wein darüber einſchenken: Praͤſidents Ida war vor wenigen Stunden aus der Penſion zurückgekommen; er, der alte Hausfreund, war zufällig dort, als ſie ankam, er hatte nicht eher geruht, bis ſie verſprochen

hatte, das ganze Haus in Alarm zu ſetzen, das Blondenkleid, in welchem ſie bei Hofe war präſentirt worden, ausbügeln zu