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Der Vall.
Neber Freilingen lag eine kalte, ſtürmiſche Novembernacht; der Wind rumorte durch die Straßen, als ſei er allein hier Herr und Meiſter, und eine löbliche Polizeiinſpektion habe nichts über den Straßenlärmen zu ſagen. Dicke Tropfen ſchlugen an die Jalouſten und mahnten die Freilinger, hinter den warmen Ofen ſich zu ſetzen während des Höllenwetters, das draußen umzog. Nichts deſto weniger war es ſehr lebhaft auf den Straßen; Wagen von allen Ecken und Enden der Stadt rollten dem Marktplatz zu, auf welchem das Muſeum, von oben bis unten erleuchtet, ſich ausdehnte. 8
Es war Ball dort, als am Namensfeſt des Königs, das die Freilinger, wie ſie ſagten, aus purer Gewiſſenhaftigkeit, nie ungefeiert vorbeiließen. Morgens waren die Milizen ausgerückt, hatten prächtige Kirchenparade gehalten und kümmerten ſich in ihrem Patriotismus wenig darum, daß die Dragoner, welche in Garniſon hier lagen, ſie laut genug bekrittelten. Mittags war herrliches Diner geweſen, an welchem jedoch nur die Herren An⸗ theil genommen und ſo lange getrunken und getollt hatten, daß ſie kaum mehr mit dem Umkleiden zum Ball fertig geworden waren.
Auf Schlag ſieben Uhr aber war der Ball beſtellt, dem die Freilinger Schönen und Nichtſchönen ſchon ſeit ſechs Wochen ent⸗ gegengeſeufzt hatten. Schoͤn konnte er diesmal werden, dieſer Ball; hatte ihn doch Hofrath Berner arrangirt, und das mußte man ihm laſſen, ſo viele Eigenheiten er ſonſt auch haben mochte, einen guten Ball zu veranſtalten verſtand er aus dem Fundament.
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