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ich aber merkte mir Eure Geſtalt und folgte Euren Schritten, und weil ich meiner Sache doch nicht ganz gewiß war, ſo gab ich Euch das Räthſel von Sturm und Licht auf.“
„Das haſt Du klug gemacht,“ ſagte Georg lächelnd; „aber komm in mein Haus, daß man Dir etwas zu eſſen reiche; wann kehrſt Du wieder heim?“
Hans bedachte ſich eine Weile; endlich aber ſagte er, indem ein ſchlaues Lächeln um ſeinen Mund zog: „Nichts für ungut, Junker; aber ich habe dem Fräu⸗ lein verſprechen müſſen, nicht eher von Euch zu weichen, als bis Ihr dem bündiſchen Heer Valet geſagt habt.“
„Und dann?“ fragte Georg.
„Und dann gehe ich ſtracks nach Lichtenſtein und bringe ihr die gute Nachricht von Euch; wie wird ſie
ſich ſehnen! alle Tage ſteht ſie wohl im Gärtchen auf
dem Felſen und ſieht ins Thal hinab, ob der alte Hans
1 noch nicht kommt!“
„Die Freude ſoll ihr bald werden,“ antwortete Georg,„vielleicht reite ich ſchon morgen, und dann ſchreibe ich vorher noch ein Brieflein.“
„Aber greifet es doch klug an,“ ſagte der Bote, „das Pergament darf nicht breiter ſein als jenes, das ich brachte. Denn ich muß es wieder im Kniegürtel verſtecken. Man weiß nicht, was einem in ſo unruhiger Zeit begegnen kann, und dort ſucht es Niemand.“
„Es ſei ſo,“ antwortete Georg, indem er aufſtand. „Für jetzt lebe wohl; um Mittag komme zu Herru von Kraft, nicht weit vom Münſter. Gib Dich für meinen


