„Aber ſagt mir, Oheim,“ fragte Bertha wieder, „welches iſt denn Götz von Berlichingen, von dem uns Vetter Kraft ſo viel erzählt. Er iſt ein gewaltiger Mann und hat eine Fauſt von Eiſen. Reitet er nicht mit den Städten?“ 2
„Götz und die Städtler nenne nie in einem Athem,“ ſprach der Alte mit Ernſt.„Er hält zu Würtemberg.“*
Ein großer Theil des Zuges war während dieſem Geſpräch am Fenſter vorüber gezogen, und mit Ver⸗ wunderung hatte Bertha bemerkt, wie gleichgültig und theilnahmlos ihre Baſe Marie hinabſchaue. Es war zwar ſonſt des Mädchens Art, ſinnend, zuweilen wohl
auch träumend auszuſehen, aber heute, bei einem ſo glänzenden Aufzug, ſo ganz ohne Theilnahme zu ſein, däuchte ihr ein großes Unrecht. Sie wollte ſie eben zur Rede ſtellen, als ein Geräuſch von der Straße her ihre Aufmerkſamkeit auf ſich zog. Ein mächtiges Roß bäumte ſich in der Mitte der Straße unter ihrem Fen⸗ ſter, wahrſcheinlich ſcheue gemacht durch die flatternden Fahnen der Zünfte. Sein hoch zurückgeworfener Kopf
e Götz von Berlichingen erzählt in ſeinem Leben(Ausgabe von Franck von Steigerwald, Nürnberg 1731) weitläuſig, wie es ſich zugetragen, daß er zum Herzog Ulerich gehalten habe. S. 442 fährt er fort:„Da zog der Herzog vor Reutlingen und gewann es auch, darum ſich auch Ihre fürſtliche Gnaden und mein Unglück anheben that, daß Ihre fürſtliche Gnaden verjagt worden, und ich darob zu Scheitern ging.“ Denn der ſchwäbiſche Bund nahm nicht Rückſicht darauf, daß Götz kurz
vorher dem Herzog ſeine Dienſte aufgeſagt hatte, ſondern bela-
gerte ihn in Möckmühl und nahm ihn gefangen⸗


