Teil eines Werkes 
16. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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ſie gebracht hatten. Einigemal glaubte Georg in der Abenddämmerung ſogar den Pfeifer von Hardt über die Brücke ſchleichen zu ſehen; er hoffte von dieſem vielleicht etwas erfahren zu koͤnnen, er eilte hinab, um ihm zu begegnen, aber wenn er bis an die Brücke kam, war jede Spur von ihm verſchwunden.

Der junge Mann fühlte ſich etwas beleidigt über dieſen Mangel an Zutrauen, wie er es bei ſich und in ſeinen Aeußerungen gegen Marie nannte.Ich habe doch den Freunden des Herzogs mich ganz und gar angeboten, obgleich ihre Partie nicht viel Lockendes hat; der Mann in der Höhle und der Ritter von Lich⸗ tenſtein bewieſen mir Freundſchaft und Vertrauen, aber warum nur bis auf dieſen Punkt? Warum darf ich nicht erfahren, wie es mit Tübingen ſteht? Warum nicht, wie der Herzog operirt, um ſein Land wieder zu erobern? Bin ich nur zum Dreinſchlagen gut? Ver⸗ ſchmäht man mich im Rath?

Marie ſuchte ihn zu tröſten. Es gelang oft ihren ſchöͤnen Augen, ihren freundlichen Reden, ihn dieſe Gedanken vergeſſen zu laſſen, aber dennoch kehrten ſie in manchem Augenblicke wieder, und die ſorgenvolle Miene des alten Herrn mahnte ihn immer an die Sache, welcher er beigetreten war.

Am Abend des Oſterfeſtes konnte er endlich dieſes Stillſchweigen nicht länger ertragen. Er fragte auf die Gefahr hin, für unbeſcheiden zu gelten, wie es mit dem Herzog und ſeinen Planen ſtehe, ob man nicht auch ſeiner endlich einmal bedürfe? Aber der Ritter von Lichtenſtein drückte ihm freundlich die Hand und