Teil eines Werkes 
16. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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Er beugte ſich herab über die Blumen, er führte die duftenden Veilchen zum Mund. In dieſem Augen⸗ blick glaubte er ein Geräuſch vor der Thüre zu ver⸗ nehmen. Er ſah ſich um— ſie war es, es war Marie, die ſtaunend und regungslos, als traue ſie ihren Augen nicht, an der Thüre ſtand. Er flog zu ihr hin, er zog ſie in ſeine Arme, und ſeine Lippen erſt ſchienen ſie zu überzeugen, daß es nicht der Geiſt des Geliebten ſei, der ihr hier erſcheine. Wie viel hatten ſie ſich zu fragen, bei weitem mehr, als ſie nur ant⸗ worten konnten! Es gab Augenblicke, wo ſie, wie aus einem Traum erwacht, ſich anſahen, ſich überzeugen

mußten, ob ſie denn wirklich ſich wieder haben?

„Wie viel habe ich um Dich gelitten,“ ſagte

3 Marie, und ihre Wangen ſtraften ſie nicht Lügen;

„wie ſchwer wurde mir das Herz, als ich aus Ulm ſcheiden mußte. Zwar hatteſt Du mir gelobt, vom Bunde abzulaſſen, aber hatte ich denn Hoffnung, Dich ſo bald wieder zu ſehen?— Und dann, wie mir Hans die Nachricht brachte, daß Du mit ihm nach Lichtenſtein kommen wollteſt, aber überfallen, ver⸗ wundet worden ſeieſt. Das Herz wollte mir bald bre⸗ chen, und doch konnte ich nicht zu Dir, konnte Dich nicht pflegen!“

Wie beſchämt war Georg, wenn er an ſeine thö⸗ richte Eiferſucht zurückdachte, wie fühlte er ſich ſo klein und ſchwach Mariens zarter Liebe gegenüber. Er ſuchte ſein Erröthen zu verbergen, er erzählte, oft unterbrochen von ihren Fragen, wie ſich Alles ſo ge⸗ fügt habe, wie er dem Bunde abgeſagt, wie er über⸗

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