Teil eines Werkes 
15. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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kaum, als ihm um Mittag ein Landsmann aus Fran⸗

ſchien es ihm gerathener, dahin vorauszueilen, um Jenem dort die nöthigen Winke zu geben und ihn vor Unvorſichtigkeit zu warnen. Und doch, wenn er ſich das kühne Auge, die kluge, verſchlagene Miene des Mannes ins Gedächtniß rief, glaubte er hoffen zu dürfen, daß Marie, obgleich ihr keine große Wahl übrig blieb, keinem unſicheren Mann dieſe Botſchaft anvertraut habe. Und wirklich traute er ſeinem Auge, ſeinem Ohr

ken gemeldet und ſein Liebesbote hereingeführt ward. Welche Gewalt mußte dieſer Menſch über ſich haben! Es war derſelbe, und doch ſchien er ein ganz Anderer. Er ging gebückt, die Arme hingen ſchlaff an dem Kör⸗ per herab, ſelten ſchlug er die Augen auf, ſein Geſicht hatte einen Ausdruck von Blödigkeit, der Georg ein unwillkürliches Lächeln abnöthigte. Und als er dann zu ſprechen anfing, als er ihn in fränkiſcher Mundart begrüßte, und mit der geläufigen Zunge eines gebornen Franken dem Herrn von Kraft auf ſeine mancherlei Fragen antwortete, da kam er in Verſuchung, an übernatürliche Dinge zu glauben; die Mährchen ſeiner Kindheit ſtiegen in ſeinem Gedächtniſſe auf, wo ein freundlicher Zauberer oder eine huldreiche Fee in aller⸗ lei Geſtalten dem Dienſt zweier Liebenden ſich widmet und ſie glücklich mitten durch das feindſelige Schickſal hindurchführt.

Der Zauber war zwar bald gelöst, als er mit dem Boten auf ſeinem Zimmer allein war, und ihn der gute Schwabhe von ſeiner Perſönlichkeit verſicherte;