Teil eines Werkes 
10. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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145 Größe zu entſagen und ein ehrſamer Bürger zu werden.

Und den andern Tag gereute ihn ſein Entſchluß nicht; denn die ſchweren Hände des Meiſters und ſei⸗ ner Geſellen ſchienen alle Hoheit aus ihm herausge⸗ prügelt zu haben.

Er verkaufte um einen hohen Preis ſein Kiſtchen an einen Juwelenhändler, kaufte ſich ein Haus und richtete ſich eine Werkſtatt zu ſeinem Gewerbe ein. Als er Alles gut eingerichtet und auch einen Schild mit der Aufſchrift:Labakan, Kleidermacher vor ſein Fenſter gehängt hatte, ſetzte er ſich und begann mit jener Nadel und dem Zwirn, die er in dem Kiſtchen gefunden, den Rock zu flicken, welchen ihm ſein Mei⸗ ſter ſo grauſam zerfetzt hatte. Er wurde von ſeinem Geſchäft abgerufen, und als er ſich wieder an die Ar⸗ beit ſetzen wollte, welch ſonderbarer Anblick bot ſich ihm dar! Die Nadel nähte emſig fort, ohne von Je⸗ mand geführt zu werden, ſie machte feine, zierliche Stiche, wie ſie ſelbſt Labakan in ſeinen kunſtreichſten Augenblicken nicht gemacht hatte!

Wahrlich, auch das geringſte Geſchenk einer güti⸗ gen Fee iſt nützlich und von großem Werth! Noch einen andern Werth hatte aber dieſes Geſchenk, näm⸗ lich, das Stückchen Zwirn ging nie aus, die Nadel mochte ſo fleißig ſein, als ſie wollte.

Labakan bekam viele Kunden und war bald der berühmteſte Schneider weit und breit; er ſchnitt die Gewänder und machte den erſten Stich mit der Nadel

W. Hauffs Werke. X. 10