Teil eines Werkes 
10. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

71

Lauft nicht ſchon genug ſolches Geſindel im Land

umher? rief einer der Wächter.Sie ſchwatzen nur

unſeren Kindern dummes Zeug vor.

Laßt uns ſehen, was ſie diesmal weiß, ſprach ein Anderer

Nun ja, riefen ſie,ſag an, was Du weißt; aber beeile Dich, denn wir haben nicht viele Zeit für Dich.

Mährchen ſtreckte die Hand aus und beſchrieb mit dem Zeigefinger viele Zeichen in die Luft. Da ſah man bunte Geſtalten vorüberziehen; Karavanen, ſchöne Roſſe, geſchmückte Reiter, viele Zelte im Sand der Wüſte; Vögel und Schiffe auf ſtürmiſchen Meeren; ſtille Wälder und volkreiche Plätze und Straßen; Schlachten und friedliche Nomaden: ſie alle ſchwebten in belebten Bildern, in buntem Gewimmel vorüber.

Mährchen hatte in dem Eifer, mit welchem ſie die Bilder aufſteigen ließ, nicht bemerkt, wie die Wächter des Thores nach und nach eingeſchlafen waren. Eben wollte ſie neue Zeichen beſchreiben, als ein freundlicher Mann auf ſie zutrat und ihre Hand ergriff.Siehe her, gutes Mährchen, ſagte er, indem er auf die Schlafenden zeigte,für dieſe ſind Deine bunten Sachen nichts; ſchlüpfe ſchnell durch das Thor, ſie ahnen dann nicht, daß Du im Lande biſt, und Du kannſt friedlich und unbemerkt Deine Straße ziehen, Ich will Dich zu meinen Kindern führen; in meinem Hauſe geb' ich Dir ein ſtilles, freundliches Plätzchen; dort kannſt Du wohnen und für Dich leben; wenn dann meine Söhne und Töchter gut gelernt haben,