Teil eines Werkes 
6. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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war arm wie jener Kröſus, als er vor ſeinem Sieger Cyrus ſtand; auch ich hatte ja alle meine Reiche ver⸗ loren!!

Ich ſollte bekennen, woher ich die Romane be⸗ kommen, wer mir das Geld dazu gegeben habe. Konnte, durfte ich ſie, die ich einſt liebte, verrathen? Ich läug⸗ nete, ich hielt den ganzen Sturm des alten Mannes auf, ich ſtand wie Mucius Scävola.

Der langen Rede kurzer Sinn war übrigens der, daß ich von meinem Vater ein Atteſtat darüber bringen müſſe, daß ich das Geld zu ſolchen Allotriis von ihm habe, und überdies habe ich am nächſten Montag vier Tage Carcer anzutreten. Verhöhnt von meinen Mit⸗ ſchülern, die mir Thiodolf, deutſcher Alcibiades und dergleichen nachriefen, in dumpfer Verzweiflung ging ich nach Hauſe. Es war kein Zweifel, daß mich mein Vater, wenn er dieſe Geſchichte erfuhr, entweder ſo⸗ gleich todtſchlagen, oder wenigſtens zum Schneiderjungen machen würde. Vor beiden war mir gleich bange. Ich beſann mich alſo nicht lange, band etwas Weißzeug und einige ſeltene Dukaten und andere Münzen, welche mir meine Pathen geſchenkt hatten, in ein Tuch, warf noch einen Kuß und den letzten Blick nach des Nach⸗ bars Garten, ſagte meinem Dachſtübchen Lebewohl, und eine Viertelſtunde nachher wanderte ich⸗ſchon auf der Straße nach Berlin, wo mir ein Oheim lebte, an welchen ich mich vors erſte zu wenden gedachte.

In meinem Herzen war es öde und leer, als ich ſo meine Straße zog. Meine Ideale waren zerronnen. Sie hatten alſo nicht gelebt, dieſe tapferen, frommen,