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von dunkler Geburt, der an dem Hof eines großen Grafen oder Fürſten lebt, eine unglückliche Leidenſchaft zu der ſchönen Tochter des Hauſes bekommt und end⸗ lich von ihr heimliche, aber innige Gegenliebe empfängt. Und wie lebhaft wußte Amalie ihre Rolle zu geben; wie gütig, wie herablaſſend war ſie gegen mich! Wie liebte ſie den ſchönen, ritterlichen Edelknaben, dem kein Hinderniß zu ſchwer war, zu ihr zu gelangen, der den breiten Burggraben(die Entenpfütze in unſerm Hof) durchwadet, der die Zinnen des Walles(den Gar⸗ tenzaun) erſtiegen, um in ihr Gartengemach(die Moos⸗ bank unter den Akazien) ſich zu ſchleichen. Tauſend Dolche(die Nägel auf dem Zaun, die meinen Bein⸗ kleidern ſehr gefährlich waren), tauſend Dolche lauern auf ihn, aber die Liebe führt ihn unbeſchädigt zu den Füßen ſeiner Herrin.
„Das einzige Unglück meiner Liebe war, daß wir eigentlich gar kein Unglück hatten. Zwar gab es hie und da Grenzſtreitigkeiten zwiſchen dem armen Ritter (meinem Vater) und dem reichen Fürſten(dem Kauf⸗ mann), wenn nämlich eines unſerer Hühner in ſeinen Garten hinübergeflogen war und auf ſeinen Miſtbeeten ſpazieren ging; oder es kam ſogar zu wirklicher Fehde, wenn der Fürſt einen Herold(ſeinen Ladendiener) zu uns herüberſchickte und um den Tribut mahnen ließ (weil mein Vater eine ſehr große Rechnung in dem Contobuch des Fürſten hatte). Aber dies alles war leider kein nöthigendes Unglück für unſere Liebe und diente nicht dazu, unſere Situationen noch romanti⸗ ſcher zu machen.


