Teil eines Werkes 
6. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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einem Sonntag, war unſer Herr v. Natas im ganzen Gaſthof nicht zu finden. Die Kellner entſchuldigten ihn mit einer kleinen Reiſe; er werde vor Sonnenuntergang nicht kommen, aber zum Thee, zur Nachttafel unfehl⸗ bar da ſein.

Wir waren ſchon ſo an den Unentbehrlichen ge⸗ wöhnt, daß uns dieſe Nachricht ganz betreten machte, es war uns, als würden uns die Flügel zuſammenge⸗ bunden, und man befehle uns zu fliegen.

Das Geſpräch kam, wie natürlich, auf den Abwe⸗ ſenden und auf ſeine auffallende, glänzende Erſcheinung. Sonderbar war es, daß es mir nicht aus dem Sinne kommen wollte, ich habe ihm, nur unter einer andern Geſtalt, ſchon früher einmal auf meinem Lebenswege begegnet; ſo abgeſchmackt auch der Gedanke war, ſo unwiderſtehlich drängte er ſich mir immer wieder auf. Aus früheren Jahren her erinnerte ich mich nämlich eines Mannes, der in ſeinem Weſen, in ſeinem Blick hauptſächlich, große Ahnlichkeit mit ihm hatte. Jener war ein fremder Arzt, beſuchte nur hie und da meine Vaterſtadt und lebte dort immer von Anfang ſehr ſtill, hatte aber bald einen Kreis von Anbetern um ſich ver⸗ ſammelt. Die Erinnerung an jenen Menſchen war mir übrigens fatal, denn man behauptete, daß, ſo oft er uns beſucht habe, immer ein bedeutendes Unglück erfolgt ſei; aber dennoch konnte ich den Gedanken nicht los werden, Natas habe die größte Ähnlichkeit mit ihm, ja es ſei eine und dieſelbe Perſon.

Ich erzählte meinen Tiſchnachbarn den unabläſſig mich verfolgenden Gedanken und die unangenehme Ver⸗

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