Teil eines Werkes 
6. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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Manchmal ſchien es zwar, es moͤchte weniger ge⸗ fährlich geweſen ſein, wenn er dem Heiligen, das er antaſtete, geradezu Hohn geſprochen, das Zarte, das er benagte, geradezu zerriſſen hätte; jener zarte geheim⸗ nißvolle Schleier, mit welchem er dies oder jenes ver⸗ hüllte, reizte nur zu dem lüſternen Gedanken, tiefer zu blicken, und das übrige Spiel der Phantaſte gewann in manchem Koͤpfchen unſrer ſchönen Damen nur noch mehr Raum; aber man konnte ihm nicht zürnen, nicht widerſprechen; ſeine glänzenden Eigenſchaften riſſen unwiderſtehlich hin, ſie umhüllten die Vernunft mit ſüßem Zauber, und ſeine kühnen Hypotheſen ſchlichen ſich als Wahrheit in das unbewachte Herz.

Zweites Kapitel. Der ſchauerliche Abend.

So hatte der geniale Fremdling mich und zwölf bis fünfzehn Herren und Damen in einen tollen Strudel der Freude geriſſen. Beinahe alle waren ohne Zweck in dieſem Haus, und doch wagte keiner den Gedanken an die Abreiſe ſich auch nur entfernt vorzuſtellen. Im Ge⸗ gentheil, wenn wir Morgens lange ausgeſchlafen, Mittags lange getafelt, Abends lange geſpielt und Nachts lange getrunken, geſchwatzt und gelacht hatten, ſchien der Zauber, der uns an dieſes Haus band, nur eine neue Kette um den Fuß geſchlungen zu haben.

Doch es ſollte anders werden, vielleicht zu unſerm Heil. An dem ſechsten Tage unſeres Freudenreiches,