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oder geringere Empfänglichkeit des Gemüths für das Schöne und Edle ziehen wollte; heult ja doch auch ſelbſt der Hund bei den ſanften Tönen der Flöte, das Pferd dagegen ſpitzt die Ohren bei dem muthigen Schmettern der Trompeten, ſtolzer hebt es den Nacken und ſein Tritt iſt feſter und ſtraffer.
Aber dennoch konnte man nichts Unterhaltenderes ſehen, als die Geſichter der verſchiedenen Perſonen bei den ſchönſten Stellen des Stückes; ich machte dem Frem⸗ den mein Compliment über die glückliche Wahl dieſer Muſtik, und ſchnell hatte ſich zwiſchen uns ein Geſpräch über die Wirkung der Muſik auf dieſe oder jene Cha⸗ raktere entſponnen.
Die übrigen Gäſte hatten ſich indeſſen verlaufen, nur einige, die in der Ferne auf unſer Geſpräch gelauſcht hatten, rückten nach und nach näher. Mitternacht war herangekommen, ohne daß ich wußte, wie; denn der Fremde hatte uns ſo tief in alle Verhältniſſe der Men⸗ ſchen, in alle ihre Neigungen und Triebe hineinblicken laſſen, daß wir uns ſtille geſtehen mußten, nirgends ſo tiefgedachte, ſo überraſchende Schlüſſe gehört oder ge⸗ leſen zu haben.
Von dieſem Abend an ging uns ein neues Leben in den drei Reichskronen auf. Es war, als habe die Freude ſelbſt ihren Einzug bei uns gehalten und feiere jetzt ihre heiligſten Feſttage; Gäſte, die ſich nie hätten einfallen laſſen, länger als eine Nacht hier zu bleiben, ſchloſſen ſich an den immer größer werdenden Zirkel an und ver⸗ gaßen, daß ſie unter Menſchen ſich befinden, die der Zufall aus allen Weltgegenden zuſammengeſchneit hatte,


