Fremden, deren keiner den andern kannte oder ſeine näheren Verhältniſſe zu wiſſen wünſchte, nie für mög⸗ lich gehalten hätte.
Der ſchöne Herbſt von 1822, mit ſeiner erfreulichen Ausſicht, dieſer Herbſt am Rhein genoſſen, mag allerdings zu dieſer ruhigen Heiterkeit des Gemüths, zu dieſem Hingeben jedes einzelnen für die Geſellſchaft beigetra⸗ gen haben. Aber nicht mit Unrecht glaube ich dieſe Er⸗ ſcheinung einem ſonderbaren, mir nachher höchſt merk⸗ würdigen Mann zuſchreiben zu müſſen.
Ich war ſchon beinahe anderthalb Tage in den drei Reichskronen vor Anker gelegen; hätte mich nicht ein Freund, den ich ſeit langen Jahren nicht geſehen hatte, auf den fünfundzwanzigſten oder dreißigſten beſtellt, ich wäre nicht mehr länger geblieben, denn die ſchrecklich⸗ ſte Langeweile peinigte mich. Die Geſellſchaft im Hauſe war anſtändig, freundlich ſogar, aber kalt. Man ließ einander an der Seite liegen, wenig bekümmert um das Wohl vder das Weh des Nachbars. Wie man ein⸗ ander die ſchönen geſchmorten Fiſche, den feinen Bra⸗ ten oder die Salatiere darzubieten habe, wußte Jeder, „aber das Genie, ich meine, der Geiſt,“ wies ſich nicht gehörig an der Tafel, noch weniger nachher aus.
Ich ſah eines Nachmittags aus meinem Fenſter auf den freien Platz vor dem Hotel herab und dachte nach über meine Forderungen an die Menſchen überhaupt und an die Gaſthofmenſchen(worunter ich nicht Wirth und Kellner allein verſtand) insbeſondere. Da raſſelte ein Reiſewagen über das Steinpflaſter der engen Seiten⸗ ſtraße und hielt gerade unter meinem Fenſter.
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