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— Du haſt, wie ich höre, noch außenſtehende Forderungen.
— Meine Schuldner ſind noch ärmer, wie ich, größtentheils Par⸗ teigenoſſen, welche bei dem Umſchwung der Verhältniſſe ihr Vermögen verloren haben. Ich wünſche nicht, daß du das Geld von ihnen zu⸗ rückforderſt.
— Und deine Kinder, deine Töchter? fragte Chriſtoph ſo ſcho⸗ nend, als möglich.
— Ich habe keine Kinder, ſagte er ſchmerzlich. Sie haben ſich von mir losgeſagt. Ich bin einſam und verlaſſen.
Bei dieſen Worten öffnete ſich leiſe das Krankenzimmer. Eine Matrone, deren Angeſicht noch die Spuren einſtiger, großer Schön⸗ heit trug, trat durch die Thür geräuſchlos ein. Neben ihr ſtand ein
„junger Mann mit edlen, feinen Zügen. Es war Alice mit ihrem
herangewachſenen Sohn. Sie hatte auf ihrem Gute die Erziehung des Jünglings, fern von dem verderblichen Einfluſſe des Hofes, vol⸗ lendet. Bei der erſten Nachricht von der gefährlichen Erkrankung ihres Freundes war ſie jetzt beibeigeeilt; doch hatte ſie ſich ſein Ende nicht ſo nahe gedacht. Die Thränen der trauernden Gattin belehrten ſie darüber. So leiſe ſie auch gekommen war, ſo hatte der Blinde doch mit ſeinem feinen Gehör ihren Schritt bemerkt. — Wer iſt das fragte er geſpannt.
— Eine Freundin, Alice! antwortete die würdige Matrone, müh⸗ ſam das Weinen unterdrückend.
Ueber Milton's Geſicht ſchwebte ein ſanftes Lächeln, ein rührender Freudenſchimmer röthete die blaſſen, eingefallenen Wangen.
— Willkommen, rief er tiefbewegt, Geiſt meiner Jugend, Genius des Dichters! Ich wußte, daß du nicht ausbleiben würdeſt, daß ich dich ſehen mußte vor meinem Scheiden.
— Und ich bin nicht allein, ich bringe einen Sohn mit, der gekommen iſt, um Euren Segen zu empfangen. 3
— Tritt näher! ſagte der ſterbende Dichter zu dem jungen Mann.
Mit den Händen betaſtete er die edlen Linien des friſchen Ge⸗ ſichtes, die ihm wohlzugefallen ſchienen. Er nickte befriedigt.
— Gott hat mir einen Sohn verſagt, ſeufzte Milton. Ich habe keine Kinder, auf die mein Name forterbt.


