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der hohe Rath ſeine Auslöſung bewirkte und er wieder ans Licht und in das Leben trat. Als er nach Bern zurückkam und eine keineswegs über⸗ triebene Schilderung ſeiner Leiden im ſchwäbiſchen Kerker gab, erklärte der hohe Rath Schilling, ſeinen Gegner, für vogelfrei— ach, er war auch ohne dieſe Erklärung bereits ein verlorener Mann; ſein Ver⸗ mögen mit Inbegriff der zurückgezahlten Schuld hatten die koſtſpieligen Klagen und die noch koſt⸗ ſpieligeren Söldner aufgezehrt. Sibylle, ſeine Toch⸗ ter, hatte den Schleier genommen und gehörte we⸗ der ihm, noch der Welt ferner an, ſein Haus in Luzern war verkauft; er war ein Bettler und ſah ſich genöthigt, ſich in ſeiner eigenen Stadt, wo er einſt geprunkt und wohl gelebt hatte, im Hand⸗ lohn zu verdingen, Luzern erbaute eben damals eine neue Stadtmauer, und dabei erhielt der zurück⸗ gekommene Kaufmann Beſchäftigung.
Als Egon wieder nach Oltingen kam, fand er auch Manches verändert, doch meiſtens zum Guten, die Gefangenen von Etivaz waren längſt nicht mehr dort, ſondern nach dem Frieden mit Gruyères als freie und geehrte Männer in ihre Heimath zu⸗ rückgekehrt, der Vater war reich begabt aus Cham⸗ bery zurückgekommen, und Marie, die Frau Rüſt⸗


